PRESSEINFORMATION
05/2001

Oestrich-Winkel, 14.4.01

Deutschlands Regionen streiten um die besten Internet-Startups
Top 20 Standorte im Gründer-Test - München, Berlin und Hamburg erhalten die besten Noten

Gemeinsam mit dem Magazin FOCUS hat das Forschungsprojekt e-Startup.org an der EUROPEAN BUSINESS SCHOOL (ebs) fast 9.000 Internet-Gründungen analysiert und die Angaben von 1.178 befragten Unternehmen ausgewertet. Erstmals lassen sich auf dieser Basis detaillierte Aussagen über die Standortwahl und die räumliche Struktur der noch jungen Industrie machen. Das Ranking der 20 bedeutendsten Standorte aus Sicht der befragten Gründer liefert erste Ansatzpunkte für die Regionalpolitik, ein attraktives Umfeld für lokale Gründungen zu schaffen.

Die Ergebnisse der Auswertung sowie die Profile der 20 Top Standorte stehen im Internet unter www.e-startup.org als Download zur Verfügung.

Standorte von Internet-Gründungen

Die meisten Internet-Gründungen finden sich in Deutschland in einem Band, das von der Region Rhein-Ruhr über Frankfurt und Stuttgart bis nach München reicht. Daneben verzeichnen auch die Stadtstaaten Berlin und Hamburg eine große Zahl junger Unternehmen. Im Norden Deutschlands und in den Neuen Bundesländern ist die Gründungsaktivität etwas geringer.

Als Region betrachtet, verzeichnet München vor Hamburg und Berlin die größte Anzahl an Gründungen. Köln, Frankfurt und Stuttgart finden sich vor allem aufgrund ihres aktiven Umlandes auf den Folgeplätzen. Bayern besitzt mit München zwar das aktivste Zentrum, als Bundesland verzeichnet jedoch das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen die meisten jungen Unternehmen. Sieben der Top 20 Standorte finden sich in NRW.

Innerhalb der Metropolen bevorzugen Gründer vor allem attraktive Innenstadt-lagen mit kurzen Wegen und aktiver Gründerszene. Auf vergleichsweise kleiner Fläche konzentrieren sich hier oft mehrere hundert Startups. Das Internet bietet Chancen auch im Umland der Städte und in strukturschwachen Regionen. Hier finden sich vor allem serviceorientierte Gründungen, die Nähe zu Kunden und geringen Wettbewerbsdruck als Vorteile sehen.

Standortwahl

Die Gründer haben klare Anforderungen an ihren Standort, gründen aber meist am aktuellen Lebensmittelpunkt. Nur 11,7% haben eine systematische Standortanalyse durchgeführt, weitere 12,1% mehrere Optionen diskutiert, jedoch nicht systematisch bewertet. Bedeutend sind vor allem persönliche Bindungen wie Partner/ Familie oder das private Umfeld, das Gründer "virtueller" Internet-Firmen davon abhält, die vorhandenen hohen Freiheitsgrade bei der Standortwahl zu nutzen.

Trotz des hohen Beharrungsvermögens der Gründer ist ein attraktiver Standort und ein gutes Klima wichtig für eine hohe Gründungsaktivität. Vor allem die Lebensqualität am Standort, das lokale Marktpotential und guter Zugang zu quali-fizierten Mitarbeitern sind wichtig, um neue Gründungen anzusiedeln.

Zwar sind Förderprogramme, Gründerzentren und lokale Kapitalgeber für junge Unternehmen von Bedeutung, nach Ansicht der befragten Gründer für die Standortwahl jedoch wenig relevant.

Führende Standorte in Deutschland

Für das Ranking wurden vier Faktoren betrachtet: Die Zahl aktiver Gründungen am Standort, die Zahl der Mitarbeiter je Unternehmen als Größenindikator, die Attraktivität der Region aus Sicht der Gründer und die Einschätzung des lokalen Marktpotentials.

Wenig überraschend ergibt sich München als führender Standort für Internet/E-Commerce - Gründungen in Deutschland. Hier finden sich die meisten Unternehmen und das beste Marktumfeld. Einziger Dämpfer: Bei der Bewertung der Attraktivität des Standortes erreicht München hinter Berlin nur Platz 2. Hauptgrund hierfür ist die Unzufriedenheit der Gründer mit dem Mangel an bezahlbarem Büroraum und hohen Personalkosten.

Berlin und Hamburg landen fast gleichauf auf den Plätzen 2 und 3. Berlin erreicht bessere Werte bei der Attraktivität, Hamburg beim lokalen Marktpotential. Beide Regionen beheimaten über 1,000 Internet-Gründungen (Schätzung).

Als Geheimtipps können Frankfurt (Platz 4) und Stuttgart (Platz 6) bezeichnet werden. Vermutlich aufgrund der stärker verteilt angesiedelten Unternehmen hat die lokale Gründerszene zwar keine bundesweite Bekanntheit, die Gründer in beiden Städten sind jedoch zufrieden und erfolgreich.

Spezial: Neue Bundesländer

Gründer in den Neuen Bundesländern sehen positiv in die Zukunft. Auch wenn die Gründungsaktivität noch geringer ist, sind die befragten Unternehmen mit ihrem Standort generell zufriedener und geben bessere Noten als ihre Kollegen in den Alten Bundesländern.

Als Vorteile werden vor allem der bessere Zugang zu Mitarbeitern und Büroraum, niedrigere Personalkosten sowie bessere Förderung und Unterstützung genannt. Handlungsbedarf besteht nach Ansicht der Gründer vor allem beim Image der Standorte und der Lebensqualität. Die Gründerszene in den meisten Zentren ist noch unterentwickelt, nur wenige Großunternehmen locken mit hohen Internet-Budgets. Beim lokalen Marktpotential sowie der Nähe zu Partnern und Kunden fällt die Bewertung daher schlechter aus als in den Standorten im Westen.

Ergebnis: Das Ranking der Standorte im Gründer-Test

1. München
2. Berlin
3. Hamburg
4. Frankfurt
5. Köln
6. Stuttgart
7. Düsseldorf
8. Bonn
9. Dortmund
10. Nürnberg/Erlangen
11. Karlsruhe
12. Mainz/Wiesbaden
13. Hannover
14. Mannheim/Heidelberg
15. Bielefeld
16. Wuppertal
17. Duisburg
18. Darmstadt
19. Bremen
20. Augsburg

Aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit wurden die Standorte jeweils inklusive des Umlandes bis 20 km Entfernung vom Stadtzentrum betrachtet.


Über die Befragung

Angeschrieben wurden 8.989 Gründungen des Bereichs Internet/E-Commerce, die von einem sechsköpfigen Projektteam von Januar bis August 2000 identifiziert und ausgewertet wurden. Nach einem Pre-Test mit 500 Gründungen im Oktober fand die Hauptbefragung im November 2000 statt. An der Befragung nahmen 1.178 Unternehmen teil, 1.082 machten Angaben zur Standortwahl ihrer Unter-nehmen und bewerteten den aktuellen Standort.

Über das Projekt

E-Startup.org ist das Forschungsprojekt zu Internet/E-Commerce Gründungen in Deutschland. Ziel des Projektes ist es, das aktuelle Gründungsverhalten in zu erheben und auszuwerten. Auf Basis der erhobenen Daten wird empirisch das Phänomen der Bildung von Technologie-Regionen für die neu entstehende Industrie untersucht. Damit sollen neue Ansatzpunkte für die regionale Standortpolitik und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland gefunden werden.

Das Projekt wird bearbeitet am Stiftungslehrstuhl für Gründungsmanagement und Entrepreneurship der European Business School (ebs) in Oestrich-Winkel. Leiter des von der Deutschen Ausgleichsbank finanzierten Lehrstuhls ist Prof. Dr. Heinz Klandt. Projektleiter von e-Startup.org ist Lutz Krafft, der seit 1993 als Berater bei der Boston Consulting Group tätig ist.

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Weitere Informationen über das Projekt und über den Lehrstuhl erhalten Sie über die Pressestelle der Hochschule oder auf folgender Internetseite: www.e-startup.org.

Wiebke Schöpper, Tel. 06723-69-141,
E-mail: wiebke.schoepper@ebs.de

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